LCP verbessern: Warum Ihr Hero so oft bremst
Wenn Ihre Seite „gefühlt eh schnell“ ist, aber Google trotzdem meckert, liegt es oft am größten sichtbaren Element oberhalb der Falz: dem Hero-Bild, einem großen Heading-Block oder einem Slider. Genau dieses Element bestimmt bei vielen Unternehmenswebsites den Largest Contentful Paint (LCP). Und der ist kein akademischer Messwert, sondern ein sehr praktischer Indikator dafür, wann Nutzer:innen erstmals „die Seite ist da“ wahrnehmen – auf Mobilgeräten oft über LTE, mit echten CPU-Limits.
Was LCP wirklich misst – und warum das für Unternehmen zählt
LCP ist der Zeitpunkt, an dem das größte Content-Element im sichtbaren Bereich gerendert wurde. Wichtig: Es geht nicht um „die Seite vollständig geladen“, sondern um den Moment, in dem der Hauptinhalt oben sichtbar wird. Google bewertet Core Web Vitals anhand realer Nutzerdaten (Felddaten) und Laborwerten. Wenn Ihre Seite im Testtool gut aussieht, aber im Feld schlecht ist, steckt meist Varianz dahinter: langsame Geräte, schlechte Netze, Cache-Misses, zu große Bilder, serverseitige Schwankungen.
Für Unternehmen wirkt sich ein schlechter LCP selten isoliert aus. Er hängt fast immer mit gestalterischen Entscheidungen (große Visuals, Webfonts, Animationen) und technischen Basics (Caching, CSS/JS-Blocking, Hosting) zusammen. LCP ist damit ein sehr gutes „Frühwarnsystem“ für technische Qualität – und genau das zahlt auf SEO, Conversion und langfristige Wartbarkeit ein.
Largest contentful paint verbessern: zuerst das LCP-Element identifizieren
Bevor man optimiert, muss klar sein, welches Element überhaupt LCP ist. Auf vielen Seiten ist es nicht das, was man erwartet. Ein großflächiger Textblock kann den LCP genauso bestimmen wie ein Bild.
Im PageSpeed- oder Lighthouse-Report sehen Sie das konkrete LCP-Element. In Chrome DevTools hilft zusätzlich die Performance-Analyse und die Wasserfallansicht (Network), um zu verstehen, warum dieses Element spät kommt: Wird es zu spät angefragt? Wartet es auf CSS? Blockiert JavaScript? Oder hängt es am Server-Response?
Ein wichtiger Praxispunkt: Messen Sie die Startseite und mindestens eine typische Inhaltsseite (z. B. Leistungsseite oder Blogartikel). LCP-Probleme sind häufig template-basiert. Wenn das Template falsch gebaut ist, „erben“ es alle Seiten.
Die häufigsten LCP-Bremsen – und was dahinter steckt
LCP ist selten „nur ein Bild“. In der Praxis sind es meist drei Kettenreaktionen: zu später Download, zu spätes Rendering, oder beides.
1) Das Hero-Bild ist zu groß oder falsch ausgeliefert
Der Klassiker: ein 2500px breites JPEG oder PNG wird am Smartphone in 390px Breite angezeigt. Zusätzlich fehlt moderne Auslieferung (WebP/AVIF) oder es wird ein Bild als CSS-Background eingebunden, das der Browser nicht früh genug priorisiert.
Wenn das LCP-Element ein Bild ist, zählen Dateigröße, Bilddimensionen und die Frage, wie früh der Browser es überhaupt anfordert. Ein per HTML eingebundenes `` mit korrektem `srcset` ist fast immer leichter zu optimieren als ein Background-Image im CSS.
2) Render-blocking CSS und „kritische“ Styles
Wenn Ihr LCP-Element zwar geladen ist, aber nicht gezeichnet wird, wartet der Browser oft auf CSS. Große CSS-Bundles, viele externe Stylesheets oder ein Theme, das „alles für alle Seiten“ lädt, führen zu Rendering-Verzögerung.
Hier ist die Abwägung wichtig: Aggressives CSS-Splitting bringt nur etwas, wenn es sauber umgesetzt ist. Sonst handeln Sie sich Flash of Unstyled Content oder Wartungsaufwand ein. Der nachhaltige Weg ist meist: weniger CSS, besser strukturiert, und für Above-the-fold wirklich kritische Styles priorisieren.
3) JavaScript blockiert den Main Thread
Gerade bei WordPress sind es häufig Kombinationen aus Page Buildern, Slider-Skripten, Tracking-Stacks und Consent-Bannern. Selbst wenn JS „defer“ hat, kann es den Main Thread so stark belegen, dass Rendering und Layout später stattfinden. LCP leidet dann indirekt.
Trade-off: Tracking und Marketing-Tools sind geschäftlich relevant. Ziel ist nicht „alles weg“, sondern „so früh wie nötig, so spät wie möglich“ – und technisch so eingebunden, dass Interaktion und Rendering nicht unnötig ausgebremst werden.
4) Langsames TTFB (Server Response)
Wenn der Server spät antwortet, startet alles später – auch der LCP. TTFB-Probleme entstehen durch schwaches Hosting, fehlendes Full-Page-Caching, langsame Datenbankqueries, zu schwere Plugins oder fehlende CDN-Strategie für statische Assets.
Für österreichische Unternehmen ist das besonders spürbar, wenn Besucher:innen aus AT/DE kommen, die Infrastruktur aber nicht darauf ausgelegt ist. Gute Performance ist hier kein „Nice to have“, sondern eine Betriebsfrage.
Konkrete Maßnahmen, die LCP messbar verbessern
LCP-Optimierung ist am effektivsten, wenn man sie vom größten Hebel zum kleineren anpackt. Reihenfolge ist entscheidend, sonst optimieren Sie „schön“, aber nicht wirksam.
Bilder: richtig dimensionieren, richtig priorisieren
Wenn das LCP-Element ein Hero-Bild ist, ist die Bildpipeline meist der schnellste Win.
Erstens: Verwenden Sie responsive Images (srcset/sizes), damit Mobilgeräte keine Desktop-Dateien ziehen. Zweitens: Komprimierung konsequent – nicht „ein bisschen“, sondern so, dass Qualität passt und Dateigröße wirklich sinkt. Drittens: Moderne Formate (WebP oder AVIF) dort einsetzen, wo Browser-Support und Tooling es zulassen.
Für das LCP-Bild gilt meist: nicht lazy-loaden. Lazy Loading ist für Bilder unterhalb der Falz super, für das LCP-Element aber oft kontraproduktiv. Stattdessen: Priorisierung erhöhen. In modernen Setups kann man mit `fetchpriority=”high”` arbeiten oder per Preload gezielt nachhelfen – aber nur, wenn es wirklich das LCP-Asset ist, sonst schaden Sie der Priorisierung anderer Ressourcen.
CSS: kritische Pfade kürzen statt „mehr Tools“
Viele LCP-Probleme verschwinden, wenn das Above-the-fold-Layout ohne große Abhängigkeiten rendern kann. Das erreicht man durch kleinere CSS-Dateien, weniger Third-Party-Styles und das Entfernen ungenutzter Theme-Komponenten.
Bei CMS-Projekten ist der nachhaltige Ansatz oft: Design-System sauber abbilden, wiederverwendbare Komponenten, und nur das laden, was die Seite braucht. Das ist kein One-Click-Plugin-Thema, sondern Architektur. Der Vorteil: Performance und Wartbarkeit steigen gemeinsam.
JavaScript: weniger ausführen, später ausführen
Wenn LCP wegen Main-Thread-Load leidet, hilft meist eine Kombination aus Reduktion und Entflechtung.
Reduktion heißt: Plugins und Libraries kritisch prüfen. Slider, Animationen, Icon-Fonts, schwere Builder-Assets – vieles ist ersetzbar oder lässt sich leichter bauen. Später ausführen heißt: nicht alles beim First Paint starten. Consent-Management, Tracking und Chat-Widgets können häufig nach dem ersten sichtbaren Render initialisiert werden, ohne Business-Ziele zu gefährden.
Wichtig ist dabei die rechtliche und UX-Seite: DSGVO-konformes Tracking muss korrekt eingebunden sein. Performance-Optimierung darf hier nicht „Trickserei“ werden, sondern muss sauber implementiert sein.
Server und Caching: stabile Basis statt Glückstreffer
Wenn TTFB schwankt, bekommen Sie keinen stabilen LCP. Full-Page-Caching (für nicht eingeloggte Nutzer:innen), Object Cache und eine saubere PHP- und Datenbank-Performance sind die Grundlage. Dazu kommen korrekte Cache-Header für statische Assets und ein Deployment-Prozess, der Caches gezielt invalidiert.
Bei WordPress ist auch wichtig: Admin-lastige Plugins, Cronjobs und unnötige API-Calls können die Performance zu Peak-Zeiten drücken. Wer LCP nachhaltig verbessern will, muss den Betrieb mitdenken – nicht nur den Launch.
LCP ist nicht nur Speed – sondern auch Barrierefreiheit und Content-Logik
Ein oft übersehener Punkt: Das LCP-Element ist häufig ein großer Textblock oder ein Bild mit Text. Wenn der Content im Bild steckt, ist das nicht nur SEO- und Accessibility-kritisch, sondern macht Optimierung schwerer. Text als echtes HTML ist schneller, besser skalierbar und WCAG-freundlicher.
Ähnlich bei Webfonts: Custom Fonts können Branding stärken, aber wenn sie spät laden und Layout verschieben, leidet die wahrgenommene Geschwindigkeit. Hier braucht es eine bewusste Entscheidung: lokale Auslieferung, sinnvolle Font-Subset-Strategie und ein Fallback-Verhalten, das nicht „springt“.
Wie Sie Verbesserungen korrekt messen – ohne sich selbst zu täuschen
Lighthouse-Scores sind gut für die Richtung, aber Sie sollten immer auch Felddaten im Blick behalten. Entscheidend ist, ob echte Nutzer:innen bessere LCP-Werte sehen. Tests sollten außerdem reproduzierbar sein: gleicher Standort, gleiche Drosselung, gleiche Seite, mehrere Runs.
Praktisch bewährt: Nach jeder größeren Maßnahme einmal messen, dokumentieren, und erst dann die nächste Schraube drehen. Sonst wissen Sie nicht, was tatsächlich geholfen hat. Gerade in CMS-Setups mit vielen beweglichen Teilen ist „Change Control“ ein Performance-Faktor.
Wann sich professionelle Hilfe rechnet
Wenn LCP-Probleme aus Theme-Architektur, Plugin-Stack und Hosting zusammenspielen, ist der Fix selten eine einzelne Einstellung. Dann braucht es eine technische Analyse, eine klare Priorisierung und eine Umsetzung, die Updates und Wartung mitdenkt. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Development, technischer SEO und Core Web Vitals unterstützen wir als Wiener Boutique regelmäßig – Details dazu finden Sie bei XOXO Websolutions.
Ein guter Richtwert: Wenn Ihr LCP-Element klar identifiziert ist, Sie aber nach 1-2 Optimierungsrunden keine stabile Verbesserung sehen, liegt es meist an grundlegenderen Pfaden (Rendering/CSS/Server) statt an „noch mehr Bildkomprimierung“.
Zum Schluss ein Gedanke, der in Projekten fast immer stimmt: LCP verbessert man am nachhaltigsten, wenn das wichtigste Element oben nicht „am schwersten“ ist, sondern am klarsten priorisiert – technisch, gestalterisch und inhaltlich.